DIPTYCH – ein Werk flüssiger Schönheit in zwei teilen

Ein Diptychon ist eine Kunstform, die in zwei Teilen erzählt wird – zwei Tafeln, oft mit Scharnieren verbunden, die nebeneinander betrachtet werden sollen. Jede Tafel erzählt ihre eigene Geschichte, aber zusammen ergeben sie ein grösseres, komplexeres Ganzes – dieselbe Geschichte, wenn sich Fässer kreuzen, weiterentwickeln und wieder vereinen.

Diese Creators Collection bringt zwei Whiskys aus derselben Brennerei zusammen, beide 1994 destilliert und 28 Jahre lang in Oloroso-Sherry-Butts gereift, bevor sie zusätzlich in erstmals gefüllten Pedro-Ximénez-Fässern nachgereift wurden – das eine aus amerikanischer Eiche, das andere aus spanischer.

Trotz ihrer gemeinsamen Reifung hebt jeder Whisky eine andere Facette des Eichencharakters hervor. Während der eine sich weichen Obstgarten-Früchten, Gebäck und honigartiger Wärme zuneigt, taucht der andere tief in Gewürze, dunkle Beeren, Sandelholz und Leder ein. Jeder Whisky steht für sich allein – aber Seite an Seite zeichnen sie ein Porträt: eine Brennerei, ein Alter, zwei Sherry-Fässer, ein vollständiges Bild.

CASK NO. 96.41
Der «Iberer»


Die faszinierende Aromenmischung weckte Begeisterung. Zum Duft von Sandelholz und Zeder gesellten sich Noten von blank polierten Lederstiefeln, Tabak und altem Pflaumenschnaps. Am Gaumen stiessen wir auf unzählige Schichten von dunklen Früchten – Cassis und Brombeeren, gewürzt mit einer Chili-Konfitüre mit Nelken, Ingwer, Sternanis und Demerara-Zucker. Nach einem Tropfen Wasser servierte man uns gerösteten Stollen mit Karamellsauce neben gewürzten Griddle-Scones mit Sultaninen. Am Gaumen gab es eine Konfitüre aus Damaszener-Pflaumen und Schlehen-Gin in Begleitung von Ahornsirup auf dicken amerikanischen Pancakes. Nach 28 Jahren in einem ehemaligen Oloroso-Butt wurde dieser Whisky in ein erstmals gefülltes PX-Butt aus spanischer Eiche umgefüllt.

CASK NO. 96.42
Der «Amerikaner»


Dieser Whisky wurde nach 28 Jahren aus einem Oloroso-Butt in ein erstmals gefülltes PX-Butt aus amerikanischer Eiche transferiert. Erstaunlicherweise ist der Sherry-Einfluss keineswegs dominant und scheint von «einem Tag im Leben» (und zwar einem glücklichen) zu erzählen: Frühstück mit Mangoscheiben, Zimtschnecken und Kaffee, dann geht es an die Arbeit – mit Federmäppchen und Schreibtisch (auf gewachstem Parkettboden). Später ein Spaziergang auf dem Land (Erde, ferner Holzrauch), um mit Freunden Tee zu trinken. Nach dem Nachtessen rundet ein opulenter Dessert (Schokoladenkuchen, Birnen-Frangipane-Tarte) mit einem Schluck Calvados und einem Griff in die Tabaktasche den Tag ab. Alles in allem kein übler Tag. Gute Nacht.