Jung und spritzig

Wo der Geschmack zum Leben erwacht

Möchten Sie die Sonne schmecken? Dann ist dies der perfekte Zeitpunkt für das Society-Geschmacksprofil «Jung und spritzig», wie Julien Willems erklärt.

Der August steht vor der Tür und bei so viel Licht und Wärme ist die Natur nun vollends erwacht, strotzt vor Energie und brummt vor Aktivität. Wenn Sie auf der Suche nach einem edlen Tropfen sind, der zur Jahreszeit passt, sticht eines der Angebote der Society besonders hervor – es ist an der Zeit, Ihre Whisky-Flaschen des Geschmacksprofils «Jung und spritzig» wieder hervorzuholen.

Mit ihrer Fülle an sprudelnden und weinähnlichen Noten und ihrer frischen und zitrusartigen Würze werden diese Whiskys zweifellos einige Erinnerungen wachrufen. Freuen Sie sich auf sonnige Aperitifs im Freien, ein gemütliches Frühstück mit einem «Buck’s Fizz»-Cocktail oder vielleicht Häppchen zusammen mit Sekt und frisch gepflückten Beeren. Wonach steht Ihnen der Sinn? Grüne Minze, Apfelminze oder Pfefferminze? Von zitroniger Frische bis zu Pflaumenkuchen oder einem Hauch von Bienenwachs – woher kommen diese Aromen?

Lassen Sie Ihren Geist beflügeln

Bei der Erkundung der verschiedenen Geschmacksprofile haben wir festgestellt, dass Whisky eine Frage des Gleichgewichts zwischen verschiedenen Elementen ist, an deren Spitze das Destillat und das Fass stehen. In diesem Fall ist das Destillat der Hauptfaktor. Damit ein «Jung und spritzig»-Whisky seine Flügel wirklich ausbreiten und seine leichte und ansprechende Natur zur Geltung bringen kann, sollte das Destillat keine schweren, maskierenden Aromen wie Torf und Rauch aufweisen. So wurden seit 2014 von den 284 «Jung und spritzig»-Whiskys, die von der SMWS abgefüllt wurden, 98 Prozent aus ungetorften Malts destilliert. Die Highlights der «Jung und spritzig»-Whiskys sind ihre ansprechenden, frischen, menthol- und zitrusartigen Aromen, die allgemein mit dem Destillat in Verbindung gebracht werden. Tatsächlich sind diese Noten oft in Whiskys aus allen Arten von Fässern und aller Altersstufen vorhanden, sind aber einfach nicht die bestimmenden Aromen.

Wenn Sie wissen wollen, was hinter den Zitrusaromen und dem frischen, spritzigen Geschmackserlebnis steckt, genügt es, einen Blick auf die Ester zu werfen. Wir wissen, dass diese Verbindungen während der Fermentation der Maische entstehen und für eine Reihe von verschiedenen natürlich-fruchtigen Geschmackseindrücken verantwortlich sein können. Zitrone, Limette, Clementine, Mandarine, Bitter Lemon – die Bandbreite ist riesig. Obwohl Ester das Resultat natürlicher Prozesse sind, können sie uns auch überraschen und mit künstlichen Aromen wie in Gummibären und Weingummi mehr Spass ins Spiel bringen.

Apropos Wein: Es ist leicht vorstellbar, dass die Kombination von Ethanol und Estern – insbesondere solche von leicht traubenartiger und zitrusartiger Natur mit einem Hauch von Holzeinfluss – für das verantwortlich sein könnte, was wir als prickelnde, spritzige Weinnoten wahrnehmen. Zudem ist niemals alles nur schwarz oder weiss. Je nach Art der Ester und ihrer relativen Konzentration werden Ihre Nase und Ihre Geschmacksknospen an andere Getränke erinnert, die Sie kennen.

Pflaumenkuchen steht auch auf der Speisekarte unseres feuchtfröhlichen Picknicks im Freien, mit Noten von Teig, Gebäck und Getreide, die das Fundament dieser «Jung und spritzig»-Whiskys verstärken. Laufende Forschungen deuten darauf hin, dass diese Aromen mit Aldehyden zusammenhängen könnten, die während des Fermentationsprozesses in der Maische entstehen und schliesslich ihren Weg durch die Brennblasen in den Whisky finden.

Obwohl es sich hier um eine eher anekdotische Erfahrung handelt, könnten die sommerlichen Bienenwachsaromen möglicherweise mit dem Vorhandensein der langkettigen Ester zusammenhängen, die wir in unserem Beitrag zum «Ölig und maritim»-Geschmacksprofil besprochen haben.

Das ist etwas, das unsere Mitglieder, die einen Spritzer Wasser in ihren Dram geben, kennen, vielleicht ohne es zu merken. Wie Dr. Andy Forrester, Spirits Educator der Society, erklärt: «Diese langkettigen Ester tragen zum trüben Aussehen von Society-Whiskys bei, wenn sie auf etwa 46 Vol. % Alkoholgehalt oder weniger verdünnt werden.»

Gemeinsam Grosses erreichen

Ein gutes Destillat ist aber nicht genug. Es braucht ein Fass, einen treuen Gefährten auf seiner langen Reise zur Reife. Über 96 Prozent der «Jung und spritzig»-Abfüllungen stammen zu relativ gleichen Teilen aus First-Fill-, Second-Fill- oder Refill-Bourbon-Fässern. Entgegen dem Vorurteil scheinen diese Whiskys also nicht überwiegend aus Refill- und älteren Fässern zu stammen. Mit einem Durchschnittsalter von etwas mehr als neun Jahren sind sie nach traditionellen schottischen Whisky-Standards immer noch junge Hüpfer (auch wenn dies angesichts der vielen Whiskys ohne Altersangabe vielleicht nicht mehr zutrifft). Tatsächlich könnte die kürzere Reifezeit in den Fässern den leichteren Holzeinfluss erklären.

Insgesamt scheint amerikanische Eiche bei diesem Profil sehr beliebt zu sein. Und in der Tat, nach neun Jahren, in denen sie gemütlich in einer Decke aus angekohltem Eichenholz schlummern, die vom Inhalt der Bourbon-Fässer benetzt wird, sind diese Whiskys immer wieder ein echter Volltreffer: Die Verkohlung des Fasses hat mit allen unreifen oder New-Make-Eigenschaften kurzen Prozess gemacht.

Kurz gesagt: Auch wenn die Fässer von milderer Natur zu sein scheinen als jene, die den Whisky zu dunkleren, fruchtigeren, eichenhaltigeren oder würzigeren Noten verhelfen, sind ihre Eigenschaften nicht weniger faszinierend: frisch, hell und voller Zitrusfrüchte und grüner Kräuter – das perfekte Getränk, um den späten Frühling und Sommer draussen zu geniessen.

Wenn Sie in der richtigen Stimmung sind, wird er Ihre Aperitifs, Picknicks und Brunchs aufpeppen. Ob pur, mit einem Spritzer Wasser oder in einem mit frischer Limette und Minze garnierten Highball – ich bin mir sicher, dass Sie diesen in einem edlen Tropfen verkörperten Vogelgesang geniessen werden.